Wenn euer Team nicht neugierig ist, wird es weiterhin die gleichen Wege gehen wie bisher. Es wird Informationen von außen nicht hinterfragen und sich nicht wirklich für die Probleme eurer Kunden interessieren.
Arto Kiiskinen
Arto is a Leading Product Owner Coach with 20 years of experience in leading R&D activities both in large and small organizations, in many different roles. He is now committed to training and coaching product owners to become better at their work. He is also CSPO, PSPO, PSM, and ISTQB certified.
Kein Team kann von Anfang an perfekt sein. Gute Teams entwickeln sich weiter und lernen. Selbst wenn man eine Gruppe von Superstars in einem Team zusammenbringt, würden sie ohne Übung sowie ohne das Erlernen von Zusammenarbeit und den richtigen Spielzügen nicht gut zusammenspielen.
Teams, die neugierig bleiben, erschließen neue Wege und probieren Neues aus. Eine Kultur des Experimentierens bildet die Grundlage für Agilität.
Ihr müsst neugierig sein, um zu lernen und euch weiterzuentwickeln
Was ist die Grundvoraussetzung für effizientes Lernen? Neugier, wie auch diese Studie hervorhebt. Selbst das größte Genie aller Zeiten, Leonardo Da Vinci, sah seine größte Stärke in der Neugier: herauszufinden, wie Dinge funktionieren, und Beobachtungen anzustellen.
Ohne Neugier hätte Lernen nur den Zweck, Schmerz zu vermeiden, statt neue Lösungen zu finden. Studien haben sogar gezeigt, dass Neugier den Dopaminspiegel im Körper erhöht. Dadurch wird das Gehirn ähnlich stimuliert wie durch bestimmte Drogen.
Seid neugierig, um Agile zu sein
Ein Team kann nicht großartig sein, wenn es keine großartigen Ergebnisse erzielt. Dafür muss es genau wissen, was es für wen liefern soll. Die Grundlage für alles sollte sein, dass das Team weiß, was von ihm erwartet wird.
Was brauchen die Kunden?
Welche Probleme haben sie?
Wie haben sie die neuen Features aufgenommen?
Wie wird das Produkt oder die Lösung genutzt?
Wer wird sie nutzen?
Ohne diese Informationen können Teams ihr Ziel nicht erreichen.
Neugier bedeutet, das „Warum“ zu kennen
Das Team sollte auf jede erdenkliche Weise herausfinden, wie das Ergebnis aussehen soll. Darin liegt die eigentliche Herausforderung einer großartigen Produktentwicklung. Das Ergebnis zu erstellen, ist viel einfacher, als das tatsächliche Ziel zu erkennen.
Teams sollten immer sicherstellen, dass sie wissen, warum sie etwas entwickeln. Eine Organisation mit neugierigen Teams, die für alles ein klares „Warum“ haben – weil sie wissen, dass Menschen danach fragen werden, und die Antwort bereithalten –, genießt mehr Vertrauen.
Wenn Teams einfach blind gehorchen, ohne etwas zu hinterfragen, kann es leicht passieren, dass Unnötiges entwickelt wird.
Großartige Teams sind intern neugierig
Ein gutes Team stellt sicher, dass Informationen und Kompetenzen gleichmäßig unter den Teammitgliedern verteilt sind.
Ein gutes Team ist flexibel. Entwickler können beispielsweise beim Testen unterstützen, und andere können dem Product Owner helfen, Stories zu definieren. Ein Team mit Silos und klar abgegrenzten Rollen und Kompetenzen ist kein Team, sondern eine Gruppe.
Der erste Schritt beim Lernen ist Neugier. Ein Team profitiert stark von Mitgliedern, die viele unterschiedliche Aufgaben übernehmen können. Zu den Aktivitäten, die die interne Neugier des Teams fördern, gehören zum Beispiel:
bei Dailies aktiver zuhören
sich freiwillig melden, um Neues auszuprobieren
Teamregeln festlegen, damit nicht immer dieselben Aufgaben derselben Person zugewiesen werden
Lernerfahrungen teilen
Beifall, wenn jemand einen Schritt in ein für ihn neues Wissensgebiet wagt
Diese Neugier auf die anderen Teammitglieder sollte sich auch darauf erstrecken, sie als Menschen kennenzulernen: Welche Hobbys sie haben, was sie glücklich macht und wohin sie sich entwickeln möchten.
Wenn ihr eure Kollegen wirklich kennt, kann das Team aufblühen.
Wie man Neugier nicht zerstört
Neugier im Team zu fördern, ist schwierig – sie zu zerstören, dagegen leicht. Damit die Neugier in eurem Team lebendig bleibt, solltet ihr die folgenden Dinge unbedingt vermeiden:
ausgeprägte Angst vor Fehlern
Prozesse und Sicherheit überbewerten
„Need-to-know“-Mentalität und die Abschottung von Wissen
„Eine Wahrheit“
Mangelnde Vielfalt im Team
Hierarchische Kultur
Hektik – Fokus auf schnelle Lieferungen und ständige Unterbrechungen
Agile garantiert keine Neugier: Führung ist gefragt
Agile Arbeitsweisen ermöglichen Neugier, garantieren sie jedoch nicht. Neugier im Team zu fördern, liegt in der Verantwortung von Agile Führungskräften – etwa Scrum Master und Product Owner. Sie können Fragen entweder im Keim ersticken oder dazu ermutigen.
Gute Agile Führungskräfte fördern Fragen in allen Agile Zeremonien – Fragen, die unterschiedliche Aspekte in den Fokus rücken. Hier einige Beispiele:
Backlog Refinement und Sprint Planning
Daily
Sprint Review
Welches Problem hat der Kunde?
Warum wird diese Sache benötigt?
Wie hoch ist die Komplexität?
Haben wir bei der Umsetzung etwas gelernt?
Ist etwas schwierig?
Kommen wir unserem Sprint-Ziel näher?
Welches Feedback können wir zu dem erhalten, was wir entwickelt haben?
Wären wir damit zufrieden, es so zu veröffentlichen?
Was würden wir beim nächsten Mal anders machen?
Die Kraft des Vorbilds kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: Wenn Scrum Master und Product Owner selbst neugierig handeln, Teammitglieder dazu ermutigen und ihnen zuhören, kann die Neugier im Team wachsen.
Wenn ihr die Neugier in euren Teams und eurer Organisation steigern möchtet, müsst ihr die Change Agents dafür finden. Oft bedeutet das, Scrum Master, Product Owner und andere Führungskräfte wie Produktmanager zu schulen.
- Strategy
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