Durch unsere Arbeit mit Kunden haben wir vier Prinzipien einer gesunden DevOps-Kultur identifiziert. Wenn ihr diese Prinzipien befolgt, werdet ihr zu einer schnelleren, effizienteren Organisation – mit engagierten Nutzern und Entwicklern.
Marko Klemetti
Chief Technology Officer
Marko ist CTO von Eficode. Er ist zudem Gründer und Berater mehrerer Tech-Startups. Marko ist leidenschaftlicher Programmierer und überzeugt davon, dass Design Systems und Continuous Deployment die Enabler einer modernen Entwicklungsorganisation sind.
Nutzer sind zu den wichtigsten Entscheidungsträgern geworden
Mit zunehmender Reife der Digitalisierung haben Tech-Giganten gezeigt, dass zufriedene Nutzer das wichtigste Kapital eines erfolgreichen Unternehmens sind.
Menschen haben sich an einfach zu bedienende Services gewöhnt, bei denen alles jederzeit griffbereit ist. Vor allem haben Nutzer gelernt, bessere Services einzufordern.
Organisationen, die minderwertige Services oder eine umständliche User Experience bieten, sind langfristig zum Scheitern verurteilt. Wenn ihr kein Feedback von euren Nutzern einholen und nicht auf diese Informationen reagieren könnt, werdet ihr nicht bestehen. Dasselbe gilt für eure Mitarbeiter. Eure Entwickler sind Nutzer eurer internen Services und erleben die Kultur, die ihr ihnen bietet, unmittelbar.
AI ermöglicht Prototyping mit Nutzern
Sowohl Forschung als auch Erfahrung zeigen, dass Generative AI uns ermöglicht, Services schneller als je zuvor zu entwickeln. Noch wichtiger ist, dass wir diese Services mit AI viel schneller mit Nutzern pilotieren können.
Viele Anwendungen, die Oberstufenschüler als Einstiegsübung entwickeln, sind echte Services, die wir täglich nutzen: To-do-, Kalender-, Chat- oder sogar Streaming-Services. Eine deployte Version davon lässt sich jeweils in weniger als einer Stunde erstellen.
Diese Möglichkeiten stehen auch großen Organisationen zur Verfügung – sie sind nur noch nicht darauf vorbereitet. Dafür braucht es Veränderungen in der Organisationsstruktur und in den Prozessen – es braucht eine gesunde DevOps-Kultur.
DevOps sichert Geschwindigkeit und Qualität
DevOps funktioniert im besten Fall als Leitprinzip für die gesamte Organisation. Ursprünglich geht es zwar um Entwickler und Operations, doch ohne insbesondere das Business, QA und das Management kann DevOps sein volles Potenzial nicht entfalten.
DevOps hat das Ziel, die Menschen in der Organisation zu verbinden, damit sie ihre Nutzer und Kunden bestmöglich unterstützen können.
Dafür gibt es vier Leitprinzipien, die ihr in eurer Organisation befolgen solltet:
Kultur des Experimentierens (Generative Organization)
Entscheidungskompetenz auf Teamebene (Team Topologies)
Kognitive Belastung reduzieren (Platform Engineering)
Robuste Automatisierung und Qualitätssicherung (DevOps Safety Net)
Prinzip 1: Eine Kultur des Experimentierens weist eurer Organisation den richtigen Weg
Ron Westrum definierte Organisationstypologien vor fast 40 Jahren. Er stellte fest, dass Organisationen mit einem hohen Maß an Zusammenarbeit, geteilter Risikoverantwortung und Verständnis für Fehlern auch einen stärkeren Informationsfluss in der gesamten Organisation haben.
Das Kernprinzip von DevOps besteht darin, Experimente zu ermöglichen und aus Fehlern zu lernen. Das fördert die Kommunikation und beschleunigt den Informationsfluss in eurer Organisation. Wie stark eure Prozesse automatisiert sind, spielt keine Rolle, wenn Informationen übergeben werden müssen oder Verantwortlichkeiten in Silos organisiert sind.
Prinzip 2: Entscheidungen auf Teamebene helfen euch, eure Nutzer schneller zu bedienen
Matthew Skelton und Manuel Pais führten 2019 das Konzept der Team Topologies ein. Entscheidend ist, selbstorganisierte Teams mit klar definierten internen oder externen Kunden zu ermöglichen. Die Teams erbringen ihren Mehrwert als Service und können dadurch eigenständig Entscheidungen treffen und Verantwortung für die Servicequalität übernehmen.
Es reicht nicht aus, Teams mit direktem Kundenkontakt zu haben (stream-aligned teams). Ihr braucht auch Teams, die Services für eure internen Kunden bereitstellen: Plattformteams für Services wie Toolchains, Teams für komplexe Subsysteme, die sich um sehr spezifische Bereiche eurer Anwendungen kümmern, sowie Enabling Teams, die alle zu gemeinsamen Best Practices oder neuen Prozessen in eurer Organisation beraten.
Marko Klemetti von Eficode und Stephen Walters von GitLab sprechen über DevOps Trends und Team Topologies.
Prinzip 3: Weniger kognitive Belastung macht eure Entwickler schneller
Sobald ihr einen kontinuierlichen Informationsfluss und unabhängige Teams ermöglicht habt, ist es an der Zeit, eure Entwickler schneller zu machen. Der beste Weg dafür ist, sie von der Last zu befreien, die Tools, die sie nutzen, zu warten und zu konfigurieren.
Der moderne Begriff dafür ist Platform Engineering. Es folgt den Prinzipien eines Plattformteams aus Team Topologies. Ihr müsst eine integrierte und konsolidierte Toolchain schaffen, die euren Entwicklern als Service zur Verfügung steht.
Prinzip 4: Robuste Automatisierung und Qualitätssicherung sorgen für einen kontinuierlichen Fluss in euren Wertströmen
Der letzte Baustein besteht darin, sicherzustellen, dass ihr bei allem, was ihr entwickelt, Automatisierung so weit wie möglich nutzt. Dazu gehören Testautomatisierung, Infrastrukturautomatisierung, Deployment-Automatisierung sowie automatisierte Sicherheit und Compliance.
Zusätzlich zu diesen Bereichen müsst ihr Wiederherstellungs- und Rollback-Funktionen aufbauen. So könnt ihr mehr Risiken eingehen und euren Teams mehr Eigenständigkeit beim Deployment neuer Versionen geben.
Die Praxis, alles zu automatisieren und dadurch Services schneller bereitzustellen, wird DevOps Safety Net genannt. Ohne sie könnt ihr AI-driven development nicht effizient in eurer Organisation einführen.
Wenn eure Organisation reibungslos funktioniert, habt ihr diese Bereiche bei euren neuen Innovationen bereits abgedeckt. Dennoch müsst ihr eine Strategie entwickeln und in den Ausbau der Automatisierung eurer Legacy-Services investieren – überall dort, wo ihr einen schnelleren Entwicklungsfluss oder AI-driven development einführen möchtet.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Um eine moderne, gesunde DevOps-Kultur zu etablieren, solltet ihr die folgenden vier zentralen Prinzipien in eurer Organisation umsetzen:
Kultur des Experimentierens (Generative Organization)
Entscheidungskompetenz auf Teamebene (Team Topologies)
Kognitive Belastung reduzieren (Platform Engineering)
Robuste Automatisierung und Qualitätssicherung (DevOps Safety Net)
- Software development
- DevOps
- Product management
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