Mit der Einführung von GenAI und umfassenden DevOps-Plattformen verändert sich die Softwareentwicklung in einem beispiellosen Tempo. Während die fortschrittlichsten Unternehmen wachsam bleiben und neue Tools sowie Praktiken übernehmen, verlieren traditionellere Unternehmen im Vergleich an Tempo.
Marko Klemetti
Chief Technology Officer
Marko ist CTO von Eficode. Er ist zudem Gründer und Berater mehrerer Tech-Startups. Marko ist leidenschaftlicher Programmierer und überzeugt davon, dass Design Systems und Continuous Deployment die Enabler einer modernen Entwicklungsorganisation sind.
In diesem Blogbeitrag stelle ich euch die fünf Trends vor, mit denen fortschrittliche Unternehmen heute ihre Time-to-Market verkürzen und schneller auf Marktveränderungen sowie Kundenfeedback reagieren.
Trend 1: Business Agility ermöglicht schnellere Wertströme
Die besten Unternehmen richten sich an ihren Wertströmen aus und stellen sicher, dass interne Reibung, Übergaben oder unnötige Engpässe die Geschwindigkeit nicht bremsen. Erfolgreiche Unternehmen stimmen ihre Strategie kontinuierlich auf das Tagesgeschäft ab und können so sowohl auf interne als auch externe Veränderungen reagieren.
Unternehmen gehen oft davon aus, dass Veränderungen auf Team-Ebene oder bestenfalls auf Produkt- oder Abteilungsebene stattfinden sollten. Interessanterweise wird die richtige Ebene für Veränderungen meist durch externe Kräfte bestimmt, etwa durch eine Übernahme, einen grundlegenden Marktwechsel oder neue Innovationen wie GenAI.
Wird der aktuelle Markt als treibende Kraft für Veränderungen betrachtet, erfolgt der Wandel auf Organisationsebene – und genau dort sollte er stattfinden.
Trend 2: Die Konsolidierung der Toolchain senkt den Wartungsaufwand und verbessert die Zusammenarbeit
Auf dem Tech Leadership Summit von Gene Kim berichtete Michael Vormittag von Daimler, dass die Toolchain nach der Ausgliederung aus Mercedes-Benz in den ersten zwei Jahren um mehr als 40 % konsolidiert wurde. Das folgt dem Markttrend: Große Cloud- und Tooling-Anbieter können Plattformen auf Enterprise-Niveau bereitstellen, in die sich die spezifischen Anforderungen von Organisationen relativ einfach integrieren lassen.
Laut der DevSecOps-Studie von GitLab aus dem Jahr 2022 verbringen 69 % der Entwickler mehr als ein Viertel ihrer Zeit mit der Wartung und Konfiguration der Toolchain. Die besten Unternehmen haben die verschiedenen Toolchains in ihrer Organisation und den Aufwand für Entwickler bei Konfiguration und Wartung bereits identifiziert. Sie integrieren ihre Toolchains in einer gemeinsamen Betriebsumgebung und konsolidieren ihr internes Tooling-Ökosystem.
Dieser Prozess führt zu Initiativen wie Platform Engineering und verringert die kognitive Belastung von Entwicklern. Insgesamt verbessert das die Developer Experience und gibt Mitarbeitern mehr Kapazität, um am geschäftlichen Mehrwert zu arbeiten.
In Kombination mit Business Agility gewinnen Unternehmen an Dynamik: Sie reduzieren Verschwendung, verbessern ihre Wertströme und verkürzen ihre Time-to-Market.
Trend 3: Das DevOps Safety Net verbessert die Qualität und verkürzt die Time-to-Market
Aus unserer Erfahrung mit Kunden wissen wir, dass eine gesunde DevOps-Kultur zwei Aspekte eines Unternehmens grundlegend verändert: die Time-to-Market und die Risikominimierung. Obwohl DevOps oft als rein technische Praxis gilt, verändert es die Arbeitsweise von Organisationen grundlegend.
Stellt euch eine Kultur vor, in der ihr kontinuierlich prüfen könnt, ob jede einzelne Version eurer digitalen Lösungen wie erwartet funktioniert – sicher und compliant. Wir nennen das das DevOps Safety Net, weil es das Gefühl am besten beschreibt, wenn eure Organisation sicher schneller und häufiger releasen kann. Ihr wisst bereits, dass eure Produkte oder Services ihre Anforderungen erfüllen.
Wenn ihr dies mit Business Agility kombiniert und den Tooling-Aufwand durch Konsolidierung reduziert, schafft ihr ein System, das eure Organisation kontinuierlich beschleunigt.
Trend 4: KI-gestützte Entwicklung beschleunigt eine Organisation – aber nur, wenn sie dafür bereit ist
Mit der Einführung und Demokratisierung von Generative AI haben wir rasante Veränderungen und ein Maß an Unvorhersehbarkeit erlebt, das kaum vorstellbar war.
Studien zeigen bereits, dass sich die Arbeit von Entwicklern unumkehrbar verändern wird und das Tempo weiter zunimmt. Die besten Schätzungen gehen von einer Steigerung der Geschwindigkeit einzelner Entwickler um 50–60 % aus.
Wenn eure Organisation nicht auf die Veränderungen durch KI-gestütztes Tooling vorbereitet ist, werdet ihr nicht schneller. Nehmen wir an, eure R&D-Organisation verbringt nur 10 % ihrer Zeit mit tatsächlicher Entwicklungsarbeit: Eine Verbesserung um 50 % steigert die Leistung eurer Organisation dann nur um 5 %.
KI-Tooling wird Engpässe zwar schnell sichtbar machen, aber ohne grundlegende Veränderungen in der Organisation könnt ihr weder vom Tooling noch von der Chance auf Veränderung profitieren.
Trend 5: ITSM verbindet Nutzer mit Entwicklern und schließt den Entwicklungskreislauf
Erfolgreiche Unternehmen konnten Vertrauen bei ihren Kunden aufbauen – durch Mechanismen, die sicherstellen, dass Feedback so schnell wie möglich gesammelt, analysiert und umgesetzt wird. Modernes ITSM basiert auf Tooling, das sich reibungslos in den Entwicklungsfluss und die Toolchains integriert, sowie auf Prozessen, die gewährleisten, dass Probleme, Incidents und Releases richtig bearbeitet werden.
Erfolgreiches ITSM schließt den Entwicklungskreislauf und stellt sicher, dass jede Aktion im Entwicklungszyklus verbunden ist. Zusammen mit den vier anderen Trends können Unternehmen dadurch ihre Kultur und Prozesse noch schneller und präziser verstehen und weiterentwickeln.
In den kommenden Jahren werden viele Aspekte von ITSM durch Generative AI erweitert und beschleunigt. Wenn ihr funktionierende ITSM-Praktiken etabliert und das Tooling in die Entwicklungs-Toolchains integriert, seid ihr bereit, GenAI-basierte Lösungen zu implementieren, sobald sie entwickelt und auf den Markt gebracht werden.
Wichtigste Erkenntnisse
Veränderungen finden in Organisationen fast immer auf einer zu niedrigen Ebene statt. Um einen schnellen Informationsfluss zu ermöglichen, müsst ihr die Wertströme der gesamten Organisation betrachten.
Das aktuelle Marktumfeld erfordert kontinuierliche Veränderung. Ohne eine Kultur, die fortlaufend auf Veränderungen und neue Innovationen reagiert, wird eure Organisation immer langsamer, wenn sie am Status quo festhält.
Führt GenAI-Governance und -Richtlinien ein und ergänzt sie durch umfassende Automatisierung mit DevOps. Neue Tools allein machen eure Organisation nicht besser. Entscheidend ist, dass ihr euer Tempo zuverlässig steigern und gleichzeitig kontinuierlich Releases bereitstellen könnt.
Gute ITSM-Praktiken schließen den Entwicklungskreislauf, verbinden alle Prozesse und beschleunigen die Feedback-Schleife. Viele Aspekte von ITSM werden durch Generative AI erweitert – deshalb ist es entscheidend, vorbereitet zu sein.
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