Barrierefreiheit, Inklusion und Benutzerfreundlichkeit: Wie hängen sie zusammen, und worin unterscheiden sie sich? Alle drei zielen darauf ab, den gleichberechtigten Zugang zu Services, Produkten und Systemen zu gewährleisten, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte. Erfahrt, was diese Begriffe bedeuten und wann ihr sie verwendet.
Elina Saarinen
Lead UX Designer, Eficode
Usability and user experience designer at Eficode. Elina solves problems through thoughtful research, smart technology, and beautiful design. She enjoys being able to help other people achieve their goals easily and efficiently.
Ein barrierefreier Service ist auch inklusiv
Barrierefreiheit bedeutet, unterschiedlichen Nutzern gleichberechtigten Zugang zu Produkten, Services und Systemen sowie deren Nutzung zu ermöglichen – zum Beispiel Menschen mit Behinderungen, älteren Menschen oder Personen mit anderen spezifischen Bedürfnissen. Der Begriff „Barrierefreiheit“ bezieht sich besonders auf Menschen mit langfristigen Beeinträchtigungen, ist jedoch nicht auf sie beschränkt. Er berücksichtigt auch vorübergehende Einschränkungen, etwa laute Umgebungen, in denen das Hören schwierig oder unmöglich ist, oder Situationen, in denen jemand einen Gipsverband an der Hand trägt.
Barrierefreiheit soll sicherstellen, dass Nutzer unabhängig von einschränkenden Bedingungen auf ein Produkt oder einen Service zugreifen und ihn nutzen können. Sie erfordert eine durchdachte Gestaltung und Umsetzung von Benutzeroberflächen und Funktionen, damit Nutzer mit unterschiedlichen langfristigen Beeinträchtigungen den Service oder das Produkt möglichst problemlos nutzen können.
Barrierefreiheit kann beispielsweise bedeuten, Websites und Anwendungen so zu gestalten, dass Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen sie nutzen können. Dazu gehören Lösungen wie ausreichende Kontraste, die Möglichkeit, die Textgröße ohne Inhaltsverlust zu erhöhen, aussagekräftige Textalternativen für Bilder und Icons, Untertitel für Videos und die Unterstützung von Screenreadern.
Inklusivität hingegen beschreibt eine Denkweise und einen Ansatz im Design, der Vielfalt und Teilhabe während des gesamten Designprozesses berücksichtigt.
Inklusives Design soll sicherstellen, dass sich alle Nutzer willkommen und einbezogen fühlen – sowohl bei der Entwicklung eines Services oder Produkts als auch im Endergebnis. Dafür muss der Designprozess erweitert und eine Denkweise verankert werden, die unterschiedliche Perspektiven berücksichtigt. So können verschiedene Nutzer den Service oder das Produkt gleichberechtigt nutzen und sich damit identifizieren.
„Inklusivität bedeutet einen gleichberechtigten, diskriminierungsfreien, inklusiven und partizipativen Ansatz.“ – Institut für Arbeitsmedizin
Ein barrierefreier Service berücksichtigt gezielt die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen oder besonderen Anforderungen, während ein inklusiver Service alle Menschen diskriminierungsfrei einbezieht. In beiden Fällen geht es darum, Gleichheit und Chancengerechtigkeit für alle Nutzer zu fördern.
Physische Barrierefreiheit: Das Gegenstück zur digitalen Barrierefreiheit
Physische Barrierefreiheit bezieht sich auf eine barrierefreie bauliche Umgebung. So muss beispielsweise ein ebenerdig gelegenes Geschäft für Rollstuhlfahrer barrierefrei zugänglich sein.
In letzter Zeit wurde viel über die EU-Barrierefreiheitsrichtlinie gesprochen, die 2019 in Kraft trat und ab dem 28. Juni 2025 gilt. Sie verpflichtet dazu, Produkte und Services bis zu diesem Stichtag barrierefrei zu gestalten. Während sich physische Barrierefreiheit auf die bauliche Umgebung und physische Produkte bezieht, umfasst die Barrierefreiheitsrichtlinie selbst trotz ihres irreführenden Namens sowohl physische als auch digitale Umgebungen.
Allen Menschen muss eine barrierefreie physische und/oder digitale Umgebung garantiert werden. Viele Organisationen haben die Anforderungen der Richtlinie bereits erkannt, doch viele haben noch einen langen Weg vor sich.
Barrierefreiheit ist die Grundlage
Letztlich ist der wichtigste Aspekt jedes Services oder Produkts, dass es nutzbar ist. Ein nutzbarer Service ist sicher, effizient und einfach zu bedienen und bietet im besten Fall eine hervorragende User Experience. Fehlt die Nutzbarkeit, verlieren Barrierefreiheit, Inklusivität und physische Barrierefreiheit weitgehend an Bedeutung. Ein Service muss vor allem nutzbar sein, sonst erfüllt er keinen wirklichen Zweck.
Gestaltet ein Produkt oder einen Service, der in erster Linie nutzbar ist. Versteht eure Kunden und schafft ein inklusives Erlebnis, das ihre unterschiedlichen Bedürfnisse und Nutzungssituationen berücksichtigt. Stellt gleichzeitig sicher, dass euer Service für Menschen mit langfristigen Beeinträchtigungen barrierefrei ist und die Vorschriften zur Barrierefreiheit erfüllt. So wird euer Service barrierefrei, inklusiv und nutzbar.
Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen physischer Barrierefreiheit, digitaler Barrierefreiheit und Inklusivität
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Usability |
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Physical accessibility |
Digital accessibility |
Inclusiveness |
| Physical environment | Digital environment | Inclusive |
| Accessibility Directive | Accessibility Directive | - |
| Physically disabled | Special groups | Non-discriminatory |
Nutzbarkeit
Physische Barrierefreiheit
Digitale Barrierefreiheit
Inklusivität
Der fiktive Service Musa bietet eine hervorragende User Experience
Lena und Levi nutzen beide den Musikservice Musa. Lena ist Digitalberaterin und alleinerziehende Mutter. Levi ist Musikproduzent, lebt mit MS und hat unterschiedlich stark ausgeprägte Muskelspastiken sowie eine Sehschwäche. Beide nutzen Musa gern, weil der Service einfach und intuitiv bedienbar ist. Levi schätzt außerdem, dass er den Service an Tagen, an denen seine Sehkraft eingeschränkt ist, weiterhin mit einem Screenreader nutzen kann.
Musa hat die Barrierefreiheitsrichtlinie berücksichtigt und den Service barrierefrei gestaltet. Deshalb ist er bei Nutzern mit unterschiedlichen Einschränkungen sehr beliebt. Lena nutzt Musa manchmal gemeinsam mit ihren kleinen Kindern, die beim Zuhören gern auf ihrem Schoß sitzen. Da Musa inklusiv ist, wurde die App mit einer klaren und farbenfrohen Benutzeroberfläche so gestaltet, dass auch Kinder sie einfach nutzen können.
Musa ist barrierefrei, inklusiv und nutzbar. Der Service erhält von seinen Nutzern durchgehend hervorragendes Feedback, und sie empfehlen ihn freiwillig weiter. Das Wachstum von Musa wurde in den führenden Wirtschaftsmedien des Landes gewürdigt. Die Gründer betonen dabei jedes Mal, dass der Schlüssel zum Erfolg von Musa darin liegt, die vielfältigen Bedürfnisse unterschiedlicher Kunden zu verstehen.
- Barrierefreiheit
- Design und UX
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