Blog

So geht ihr richtig mit Fehlern um

JUN 21, 2023

Wir alle kennen das Sprichwort: Lernt aus euren Fehlern und habt keine Angst zu scheitern.

Julia Aalto

Passionate about helping people to reach their goals and to release their full potential. Interested in team dynamics, communication, human mind and coffee.

Aber wie oft haltet ihr inne und überlegt, was das tatsächlich für euch und euer Team bedeutet? Hat es euer Verhalten in irgendeiner Weise beeinflusst? Wie sieht eure Organisation das?

Niemand strebt nach Misserfolg, klar. Aber wenn er unweigerlich eintritt: Welche Lehren ziehen wir tatsächlich aus dieser Erfahrung? Genauer gesagt: Wie lernen wir daraus? Meist ziehen wir die falschen Lehren aus unseren Fehlern, weil wir uns ausschließlich darauf konzentrieren, die falschen Dinge zu analysieren.

Analysiert ihr eure Misserfolge? Oder wie ihr erfolgreich sein könnt?

„Just little bits of history repeating“, wie es in einem Song von Propellerheads heißt. Um zu verhindern, dass sich Misserfolge wiederholen, müssen wir aus unseren Fehlern lernen. Wenn etwas schiefläuft, ist es notwendig, eine separate Root-Cause-Analysis-Session, ein Post-Mortem oder eine ähnliche Maßnahme zu organisieren. Diese Sessions helfen uns, alles, was zum Misserfolg geführt hat, detailliert zu analysieren, damit wir künftig nicht dieselben Fehler machen.

Die Absicht hinter diesem Ansatz ist gut. Aber funktioniert er tatsächlich? Ist er wirklich nützlich?

Darauf sage ich: nein. Meiner Erfahrung nach ist es aufgrund ihrer Komplexität schwierig, aus der Vergangenheit hilfreiche Lehren zu ziehen. Die Umstände jeder Situation sind anders, und was im Nachhinein eindeutig erscheint, war zum Zeitpunkt des Ereignisses vielleicht nicht so klar – selbst wenn es möglich war, alles zu berücksichtigen.

In der Realität werden sich exakt dieselben Katastrophen wahrscheinlich nie wieder ereignen – mit oder ohne Analyse-Sessions und detaillierte Berichte. Wenn jedoch ähnliche eintreten, verhindern wir sie nicht. Am Ende wiederholt sich die Geschichte also doch. Nicht die Fehler, sondern der Teil mit Analyse und Berichterstattung, den wir pflichtbewusst immer wieder durchführen. Wir nähren ein falsches Gefühl von Sicherheit und gehen davon aus, jede Ursache und jede Wirkung nachvollziehen zu können.

Ist es also reine Zeitverschwendung, aus diesen Fehlern zu lernen? Nicht unbedingt. Aber wir müssen uns darauf konzentrieren, welche Entscheidungen getroffen wurden und warum – und was nötig ist, um erfolgreich zu sein. Nicht darauf, was den Fehler verursacht hat.

Wie wir unsere schlimmste Saison aller Zeiten überstanden haben

Als ich Teil eines Synchroneiskunstlaufteams war, gab es eine Saison, an die sich mein Team besonders gut erinnert. Aber nicht aus den Gründen, die ihr vielleicht erwartet. In der vorherigen Saison hatten wir viel erreicht, und sie war in vielerlei Hinsicht spektakulär. Natürlich waren unsere Erwartungen hoch, und wir waren bereit, noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Doch während der gesamten Saison hangelten wir uns von einem enttäuschenden Wettbewerb zum nächsten.

Warum? Hatten wir plötzlich unser Talent oder unseren Ehrgeiz verloren? Wohl kaum. Wie bei der zuvor erwähnten Erfolgsgeschichte war auch der anschließende Misserfolg die Summe vieler Faktoren. Trotzdem lösen unsere Erfolge selten dasselbe Bedürfnis nach Analyse aus wie Misserfolge.

Wie der Psychologe Daniel Kahneman erklärt hat, beschreibt der Bias der „Regression zum Mittelwert“ die Tendenz, dass auf extreme oder ungewöhnliche Ereignisse typischere oder durchschnittlichere Ereignisse folgen. Unser Verstand neigt dazu, die Rolle von Können oder anderen Faktoren bei außergewöhnlicher Leistung zu überschätzen. Dann nehmen wir möglicherweise an, dass ein anschließender Leistungsabfall auf einen Fehler oder ein Problem zurückzuführen ist. Wir dachten tatsächlich, es gäbe ein Problem, und das haben wir daraus gelernt:

  1. Die erste – und wichtigste – Lektion war, dass wir einfach nicht an das glaubten, was wir aufführten. Wir hatten keine klare Vorstellung davon, wie es sein sollte, und taten uns von Anfang an schwer, es zu verstehen. Ständig versuchten wir, es zum Funktionieren zu bringen, indem wir jedes Problem lösten, auf das wir stießen.

  2. Am Arbeitsplatz kann die Analyse der Ursachen und Auswirkungen eines Misserfolgs zu Schuldzuweisungen und Scham führen. Unser Team erlebte Enttäuschungen, ja, aber wir versuchten nicht, Verantwortung zuzuschreiben. Stattdessen hielten wir durch und fanden Stärke in unserem Zusammenhalt. Wir teilten Lachen und Tränen und erlebten Erfolg und Misserfolg als Team.

  3. Zuletzt ließen wir die Vergangenheit hinter uns und richteten den Blick nach vorn – immer in Vorbereitung auf die kommende Saison. Die Katastrophe selbst lebt heute als legendäre Geschichte weiter und ist in unserer Erinnerung viel stärker verankert, als es Berichte jemals sein könnten.

Worauf solltet ihr euch beim nächsten Misserfolg konzentrieren?

Es gibt einen Unterschied zwischen aus der Vergangenheit zu lernen und Fehler zu analysieren. Die „Lessons Learned“ sollten Erkenntnisse für eure zukünftigen Vorhaben liefern. Wenn eure Misserfolge euch übervorsichtig machen und dazu führen, dass ihr jeden möglichen Fallstrick im Voraus genau prüft, dann macht ihr es falsch. Dieser Ansatz wird euren Erfolg eher behindern als fördern. Wie es im bereits erwähnten Song von Propellerheads heißt: Why ask your head? It's your hips that are swinging!

Warum also nicht diesem Beispiel folgen und mit diesen Tipps das Tanzbein schwingen?

  • Die Dinge werden zwangsläufig oft komplex sein. Die Umstände unterscheiden sich wahrscheinlich jedes Mal, und nur bestimmte Ursache-Wirkungs-Ketten werden im Nachhinein sichtbar – ganz zu schweigen davon, dass es unwahrscheinlich ist, jede Variable berücksichtigen zu können.

  • Um erfolgreich zu sein, ist es wichtig, euch auf die Faktoren zu konzentrieren, die zählen, und zu verstehen, warum sie wichtig sind. Vermeidet Schuldzuweisungen, denn jeder handelt mit guten Absichten.

  • Lernt, als Team Verantwortung zu übernehmen. Haltet zusammen und seid einander loyal.

  • Wenn ihr feststeckt, solltet ihr einen Richtungswechsel in Betracht ziehen. Wenn ihr euch das Endergebnis trotz aller Bemühungen und Versuche nicht vorstellen könnt, werden eure Anstrengungen wahrscheinlich nicht zum Erfolg führen.

  • Archäologie ist der beste Weg, die Geheimnisse der Vergangenheit zu erforschen – überlasst sie also am besten den Experten. Konzentrieren wir uns stattdessen darauf, voranzukommen.

Denkt daran: Wenn Gruppen launischer Teenager mit großen Enttäuschungen konstruktiv umgehen können, könnt ihr das auch!

  • Softwareentwicklung
  • Agile
  • Anwendungsmanagement

Subscribe to our newsletter